Anne Dippel | Teaching
Anne Dippel is a socio-cultural anthropologist and historian.
socio-cultural anthropology, media theory, fieldwork, literary ethnography, high-energy physics, CERN
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Observing – Understanding – Describing

Friedrich-Schiller University Jena

Department of European Ethnology / Socio-Cultural Anthropology

Semester: SS 2016

Level: BA and MA

Seminar language: German

Seminar description in English

Coming soon

Seminar description in German

Beobachten ­– Verstehen – Beschreiben. Methodologische Grundlagen der Feldforschung

 

Ethnographische Feldforschung ist der Schlüsselbegriff für einen einzigartigen Methodenkomplex, der es erlaubt, Vergangenheit und Gegenwart aus der Position der Teilnehmenden Beobachtung heraus in Beschau zu nehmen. Dieser aktive Prozess der Wissensformation liefert Analysen des Alltags und stellt die Grundlage volkskundlicher Wissensproduktion dar. Erst aus der Verschränkung von empirischer Beobachtung, qualitativem Interview, hermeneutischem Verstehen und systematischer Beschreibung in einem spezifisch konstruierten Feld entsteht die ethnographische Analyse, die selbst wiederum auf ihr Feld zurückwirkt. In diesem Seminar sollen ihre methodischen und theoretischen Grundlagen erarbeitet werden. Feldforschung erscheint hier als ein interaktiver Prozess zur Beschreibung offener Systeme, der es ermöglicht, keine geschlossenen Modelle von Gemeinschaften oder Netzwerken zu reproduzieren, sondern Gesellschaft neu in Augenschein zu nehmen. Es werden daher Texte gelesen, die sowohl die Bedingungen empirisch-hermeneutischer Forschung reflektieren und diskursiv situieren, als auch Beispielstudien bearbeitet, die methodische Inspiration für eigenes Forschen liefern sollen und die Grundlage für eine systematische Durchdringung der gegenwärtigen Bedingungen von Feldforschung ermöglichen. Da Theorie ohne Praxis und Beispiele leer wirkt und Feld- und Gegenstandskonstruktion, Forschungs-Interaktionen, Auswertung und Aufbereitung von gewonnenen Daten am Besten beispielhaft erlernt werden, ist dieses theoretische Seminar mit dem empirischen Forschungsseminar von Stephanie Schmidt, M.A. „Karzer – Kerker – Knast. Alltagskultur im Strafvollzug“ gekoppelt, der Besuch des Seminars von Stephanie Schmidt wird daher mit Nachdruck empfohlen.

Literature

Gay y Blasco, Paloma; Wardle, Huon (2006): How to read Ethnography. Taylor & Francis : London.
Weber-Kellermann, Ingeborg (2003): Einführung in die Volkskunde, europäische Ethnologie. Stuttgart: Metzler.


We are us. Processes, structures, and prerequisites for collective identity creation.

Friedrich-Schiller University Jena

Department of European Ethnology / Socio-Cultural Anthropology

Semester: SS 2016

Level: BA and MA

Seminar language: German

Seminar description in English

Coming soon

Seminar description in German

Wir sind wir. Prozesse, Strukturen und Bedingungen kollektiver Identitätsbildung

 

Allerorten hört man heute Rufe, findet man Plakate und liest Posts, die diese oder jene Gemeinschaft als Einheit beschwören, meist in Abgrenzung zu irgend einem Anderem. Kein Abend vergeht an dem dafür sprichwörtlich bekannten Stammtisch ohne dass um ihn herum eine Gemeinschaft imaginiert würde, die wie ein Container Identität bündelt und fasst, Grenzen zieht und Distanz herstellt, ausschließt. Ob das auf den Montagsdemos in Dresden in Beschlag genommene „Wir sind das Volk“, oder das von fanatisierten Einzelkämpfern für ihre Zwecke missbrauchte „Allahu Akbar“, ob die Siegreden rechtsnationalistischer Parteiführerinnen, wie Marine LePens in Frankreich an ihr „französisches Volk“, oder der optimistische Aufruf „Wir schaffen das!“ der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Blick auf die Flüchtlingskrise: Gemeinschaft hat immer Konjunktur. Wie aber entstehen und wandeln sich Gemeinschaften? Welche Möglichkeiten gibt es, offene Gemeinschaften zu schaffen? Wie stabil können Gemeinschaften sein, die aus einer Vielzahl von anderen Gemeinschaften selbst wiederum zusammengesetzt und offen konstruiert sind? In diesem Seminar werden Strukturen, Formationen und Bedingungen kollektiver Identitäten und Netzwerke analysiert. Anhand von aktuellen Beispielen sollen die Studierenden die Pluralität und Offenheit, aber auch die Mannigfaltigkeit gegenwärtiger Gemeinschaftsmodelle und –formationen beispielhaft in Referatsteams erarbeiten. Dabei wird ein offener Ansatz verfolgt, der die Vielzahl von kollektiven Formationen im digitalisierten Zeitalter vorstellt, von geschlossenen kommunalistischen Modellen bis hin zu offenen kosmopolitischen Verfassungen von Gemeinschaft, von der Familie über die Masse bis hin zum Schwarm. Es werden Texte gelesen, die Grundlagen, Umwelt und Bedingungen menschlicher Gemeinschaften diskutieren, darauf aufbauend werden spezifische Gemeinschaftsvorstellungen, wie etwa Szene, Dorf, Nation, Religion oder Kultur beispielhaft studiert und insbesondere ihre Medien und der Kit analysiert, der sie zusammenhält.

Literature

Asad, Talal, (2010): Formations of the Secular. Christianity, Islam, Modernity. Stanford: Stanford University Press.

Anderson, Benedict (1996): Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts. Berlin: Ullstein 1996.

Gellner, Ernest (1998): Language and Solitude. Wittgenstein, Malinowski and the Habsburg Dilemma. Cambridge: University Press.


Time and Space

Friedrich-Schiller University Jena

Department of European Ethnology / Socio-Cultural Anthropology

Semester: WS 2015/2016

Level: BA and MA

Seminar language: German

Seminar description in English

All that, which is perceptible has space and time. Despite that, we can still imagine phenomena, surpassing those qualities and stretching into eternity. Out of this paradoxical and dialectic relationship, which describes a specific human ability to think in terms of symbols and imagination, emerge manifold ideologies, religions, histories, and modes of life. A scholarly reflection upon space and time addresses empirical and historical cultural sciences.

 

Anthropology has a very open understanding of the concept of space and time, in accordance with which human experiences and everyday practices are observed and analysed in specific environments. The research fields may be found in every manifestation of human activity. An anthropologist must therefore delve into those spaces and mingle amongst the people. The cognitive and corporeal experiences of events within and outside of the field form the basis for fieldwork. The duality of space and time of the observed field and the ethnographic observation itself constitute the charm and the challenge of the ethnographic research.

 

This seminar gives the students the basis for empirical and hermeneutical reasoning. In order to understand space and time, other crucial concepts are touched upon: structure, property, matter, pressure, materiality, objectiveness, dimension, force, desire, discourse, and energy.

 

The module also involves two excursions, the first one to a multimedia Arche Nebra centre in Naumburg and the second to the State Museum of Prehistory in Halle.

 

The seminar sessions focus on the following themes:

  • What constitutes a scientific reflection on culture?
  • Human time and anthropological point of view
  • Time, space, and a relative perspecive of the observer
  • Time and Eternity
  • Relativity of Space and Time
  • Stone Age
  • Dreamtime
  • Sidereal Time
  • Social and symbolic Spaces
  • Urban Spaces
  • Modern Times
Seminar description in German

Raum und Zeit. Grundzüge kulturwissenschaftlichen Argumentierens

 

Alles, was wahrnehmbar ist, hat Raum und Zeit – und doch können wir uns vorstellen, dass etwas, außerhalb von Raum und Zeit, in der Ewigkeit liegt. Aus diesem paradoxalen, dialektischen Verhältnis, das ein spezifisch menschliches Vermögen zur Symbolisierung und Imagination beschreibt, entstehen mannigfaltige Formationen von Weltanschauungen, Religionen, Geschichte, Verwandtschaftsformen, Lebensweisen. Ihrer wissenschaftlichen Betrachtung widmen sich die empirischen und historischen Kulturwissenschaften.

 

Die Volkskunde hat gegenstandsbedingt einen sehr offenen Raum- und Zeitbegriff, da sie mannigfaltige Erlebnisweisen, Erfahrungwelten und Alltagspraktiken von Menschen in je spezifischer Umwelt ethnographiert. Ihre Felder liegen überall, wo Menschen handeln und der Forscher oder die Forscherin muss zudem ins Land und unter die Leute gehen. Somit bilden kognitive und körperliche Erfahrungen von Ereignissen innerhalb und außerhalb des Feldes die Grundlage der Forschung selbst. Diese doppelte Raum-Zeitlichkeit des beobachteten Feldes einerseits und der ethnographischen Beobachtung andererseits bilden daher, neben der anthropologischen Komplexität des Gegenstands selbst, Reiz und Herausforderung volkskundlichen Forschens.

 

In diesem Lektüreseminar werden Grundlagen für empirisches und herme-neutisches Argumentieren vermittelt. Zentrale kulturwissenschaftliche Begriffe werden dabei einer genauen Betrachtung unterzogen, neben Raum und Zeit etwa: Struktur, Beschaffenheit, Materie, Dinglichkeit, Stofflichkeit, Sachlichkeit, Dimension, Feld – Verlauf, Entwicklung, Wechselwirkung und Prozess, Kraft, Trieb, Diskurs und Energie.

 

Zur Lehrveranstaltung gehören zwei Exkursionen, eine zur Arche Nebra, eine in das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.

 

Die Seminarsitzungen nehmen folgende Themen in den Blick:

  • Was heißt wissenschaftliche Betrachtung von Kultur?
  • Menschliche Zeit und anthropologischer Blick
  • Zeit, Raum und Relative Perspektivität des Beobachters
  • Zeit und Ewigkeit
  • Relativität von Raum und Zeit
  • Steinzeit
  • Traumzeit
  • Sternzeit
  • Soziale und symbolische Räume
  • Stadträume
  • Moderne Zeiten
Literature

Assmann, Jan (2011), Steinzeit und Strnzeit. Altägyptische Zeitkonzepte. München: Wilhelm Fink.

Böhme, Hartmut (1996), Vom Cultus zur Kultur(wissenschaft). Zur historischen Semantik des Kulturbegriffs. In: Literaturwissenschaft – Kulturwissenschaft. Positionen, Themen, Perspektiven. Berlin: Westdeutscher Verlag, 11-47.

Bourdieu, Pierre (2006/1989), Sozialer Raum, Symbolischer Raum. In: Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Hg. Von Jörg Dünne und Stephan Günzel. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 354-368.

Einstein, Albert (2006/1930), Raum, Äther und Feld in der Physik. In: Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Hg. Von Jörg Dünne und Stephan Günzel. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 94-102.

Fabian, Johannes (2002/1983), Time and the Other. How Anthropology makes its object. New York: Columbia University Press.

Galison, Peter (2003), Einstein’s Clocks, Poincarés Maps. Empires of Time. New York: W.W. Norton.

Lawlor, Robert (1993), Am Anfang war der Traum. Kulturgeschichte der Aborigines. München: Drömer Knaur.

Merleau-Ponty, Maurice (1966), Phänomenologie der Wahrnehmung. Berlin: De Gruyter.

Platon (1991), Timaios. In: Sämtliche Werke VIII. Frankfurt am Main: Insel.

Rosa, Hartmut (2005): Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. Frankfurt am Main: Suhrkamp 176-194.


Playing Video Games. Introduction to the Ethnology of Play.

Friedrich-Schiller University Jena

Department of European Ethnology / Socio-Cultural Anthropology

Semester: WS 2015/2016

Level: BA and MA

Seminar language: German and English

Seminar description in English

Coming soon

Seminar description in German

Playing Video Games. Einführung in die Ethnologie des Spiels

 

Die wachsende Digitalisierung von Gesellschaft bringt eine Ausbreitung der Sichtbarkeit von spielerischen Praktiken und Strukturen sowohl Online als auch Offline mit sich. Weltweit spielen etwa 1,5 Milliarden Menschen Videospiele und viele der heute schon Vierzigjährigen sind selbstverständlich mit Videospielen aufgewachsen. Die im Spiel erlernten Praktiken, Zielsetzungen und Dynamiken, aber auch Techniken bleiben nicht ohne Auswirkung auf die alltägliche kulturelle Verfasstheit, auf gesellschaftliche Formationen von Produktionsprozessen sowie Praktiken der Freizeit und des Zeitvertreibs. Für die empirischen Kulturwissenschaften eröffnen diese Phänomene eine schier unendliche Anzahl von Feldern der Untersuchung.

 

In diesem Seminar wird ein Grundverständnis für Ideen des Spiels, seine Erscheinungsformen, Riten und Ausprägungen aus anthropologischer, medientheoretischer und spielwissenschaftlicher Perspektive erlangt. Ziel des Seminars stellt der Erwerb folgender Wissensbestände dar: Grundlagen der ethnologischen Spielforschung, Einführung in die Philosophie von Spiel und Verspieltheit, Analyse der Überlagerung (Interferenz) von Arbeit und Spiel in der Ära der Digitalisierung, Videospiele und ihre Möglichkeiten für ethnographische Feldforschung. Zu diesem Zweck werden die Student_Innen während des Seminars eine eigenständige Mikro-Feldforschung zu einem Spiel durchführen, die sie in Form eines Referats präsentieren werden.

 

Zur Lehrveranstaltung gehört eine Exkursion ins Computerspielmuseum nach Berlin.

Literature

Roger Caillois: Die Spiele und die Menschen: Maske und Rausch, Frankfurt/M. 1982.

Johan Huizinga: Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, Reinbek bei Hamburg 1987.

Simon Engenfeldt-Nielsen/Jonas Heide Smith/Susana Pajares Tosca: Understanding Video Games. The Essential Introduction, London 2008.

Frans Mäyrä: An Introduction to Games Studies. Games in Culture, London 2008.


Experimental Systems

Humboldt University of Berlin

Institute of Physics

Semester: WS 2015/2016; SS 2015

Level: BA and MA

Seminar language: German

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Experimentalsysteme

Literature

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Ethnography meets Ludology

Friedrich-Schiller University Jena

Department of European Ethnology / Socio-Cultural Anthropology

Semester: SS 2015

Level: BA and MA

Seminar language: German and English

Seminar description in English

Coming soon

Seminar description in German

Ethnographie trifft Ludologie. Auf spielerischen Wegen zu Wissen

 

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, sagt Friedrich Schiller. Im 20. Jahrhundert erwuchsen aus dieser Einsicht anthropologische Ansätze, die den Menschen und sein spezi­fisches Streben nach Sinn über das Spiel erklären, so etwa das Konzept des homo ludens (Johan Huizinga), nach dem Menschen ihre Fähigkeiten und Eigenschaf­ten im Spiel entdecken und erlernen sowie Sinn suchen und finden.

 

In dem Projektseminar erfährt das vermittelte Wissen über den Menschen als spielendes Wesen praktische Anwendung und Selbstreflexion. Es sollen Spiele entwickelt werden, die Studierenden der Volkskunde (Empirischen Kulturwissen­schaft) ermöglichen, abseits von Lehrplänen und Regelwerken in eigenem Tempo und gemeinsam mit Komilliton_Innen Grundlagenwissen und Techniken zu er­lernen, damit endlich wieder Platz ist, um den eigenen Antrieb und die notwen­dige Konzentration zu entdecken, ohne die es an der Universität nun einmal nicht geht.

 

Das Seminar ist als „blended learning“-Seminar konzipiert und gliedert sich in Präsenz- und Onlinephasen. Nach vier vorbereitenden Sitzungen fahren wir auf eine zweitägige Exkursion an das Gamification Lab in Lüneburg, wo wir das Wis­sen über Spiele und Spielkultur vertiefen sowie Grundlagen des Spieldesigns ver­mittelt bekommen und Ideen für eigene Prototypen entwerfen. In der darauffol­genden Online-Phase werden die Projekte in kleineren Gruppen fortentwickelt. An einem weiteren Exkursionstag in die Skatstadt Altenburg wird der Zwischen­stand der einzelnen Gruppenarbeiten besprochen, um danach in einer Online-Phase an den Projekten zu arbeiten. Die besten Spiele sollen produziert und auf dem dgv-Kongress 2016 präsentiert werden!

 

Das Seminar bekommt dabei professionelle Hilfe durch Game Designer und The­oretiker vom Gamification Lab des Center for Digital Cultures (CDC) der Leuphana Universität Lüneburg (Dr. Sonia Fizek; M.A. Enrique Perez) und den Jenaer Spieleentwicklern Pelle Bernhold und Sabrina Maichrowitz vom Wind­werke Verlag.

Literature

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Fieldwork Seminar in Applied Anthropology

Friedrich-Schiller University Jena

Department of European Ethnology / Socio-Cultural Anthropology

Semester: SS 2015

Level: BA and MA

Seminar language: German

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Das kulturwissenschaftliche Praktikum

Literature

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Jena. Ethnographic Entry into the City.

Friedrich-Schiller University Jena

Department of European Ethnology / Socio-Cultural Anthropology

Semester: WS 2014

Level: BA and MA

Seminar language: German

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Jena. Ethnographische Zugänge zur Stadt

 

Es lebt in ihr: Die Stadt ist voll, die Stadt ist leer, wächst und schrumpft; zieht die einen an und stößt die anderen ab, bestimmt und lenkt ihre Bewohner und Besucher. Mal grau, mal bunt, sauber oder schmutzig, groß oder klein, voll oder verlassen, unter der Woche lebendig und licht, anderntags ausgestorben und düster, stellt die Stadt eines der zentralen Forschungsfelder der empirischen Kulturwissenschaft dar. Denn Städte versammeln Menschen, sind materialisierte Geschichte und beheimaten Geschichten; sie sind eingebettet in Landschaft und Klima, haben Rhythmus und Sound, tackten die Bewohner im Alltag, am Festtag. Städte beheimaten jede Menge Tiere, beherbergen Maschinen, Straßen, Plätze und Häuser, vermitteln ein je eigenes lokalisierbares und daher beschreibbares Lebensgefühl für Handel und Wandel des Einzelnen im Miteinander.

 

Das Urbane schreibt sich in den Alltag der Menschen ein, wir wollen in diesem Seminar den Alltag der Menschen in der Stadt Jena beschreiben: Auf der Basis empirischer Erkundung, werden in diesem Seminar kleine eigenständige Studien erarbeitet und dabei grundlegende Methoden qualitativer Feldforschung erlernt. Dabei werden folgende daran geknüpfte Fragen diskutiert: Was heißt und wie geht Teilnehmende Beobachtung? Was ist ein Feldtagebuch? Wie führe ich ein narratives Interview? Wie definiere ich mein Feld? Und wie gelingt es mir auf der Grundlage meiner Beobachtungen einen gelungenen ethnographischen Text zu schreiben?

Literature

Rolf Lindner: Walks on the Wild Side. Eine Geschichte der Stadtforschung, Frankfurt am Main 2004.

Richard E. Ocejo (Hsrg.): Ethnography and the City: Readings on Doing Urban Fieldwork (Metropolis and Modern Life), London 2012.


Digitisation of Everyday

Friedrich-Schiller University Jena

Department of European Ethnology / Socio-Cultural Anthropology

Semester: WS 2014

Level: BA and MA

Seminar language: German

Seminar description in English

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Unter Strom. Digitalisierung des Alltags

 

Was man heute so alles beobachten kann … In Bus und Bahn sitzen die Menschen und starren auf ihre Displays. Auf Autobahnen und in Einkaufspassagen behindern Nutzer von Smartphones den Verkehr. Während sie Online da sind, sind sie Offline mit halbem Ohr dabei. Eifrig wischen und tippen sie, nehmen private und weniger private Gespräche in aller Öffentlichkeit an, machen Fotos und Filme, chatten, shoppen und surfen, stehen in Austausch, senden und empfangen unablässig. Smarte Apps erzählen ihnen, wie viele Schritte sie heute gelaufen sind oder vertreiben ihnen die Langeweile beim Warten. In der Computernetz-Gesellschaft sind Menschen für das Miteinander auf elektromagnetische und elektrische Ströme angewiesen, ihre komplexen Werkzeuge werden ihnen gleichsam Extensionen ihrer Selbst, ein Teil ihres Gedächtnisses scheint ausgelagert werden zu können, ohne dass es dem Vergessen anheim fällt. Nie war ihnen daher die Frage dringlicher als heute: Wo bitte geht es eigentlich zur nächsten Steckdose?

 

Das Seminar nähert sich dem gegenwärtigen Verhältnis von Medien und Maschinen, Kommunikation und Alltag aus kulturwissenschaftlicher Perspektive an. Am Beispiel ausgewählter Hard- und Software sollen kulturtheoretische Schlüsseltexte zu folgenden Fragen diskutiert werden. Was ist ein Medium? Wie beeinflussen Medien unsere Wahrnehmung und unser Miteinander? Welche ethnographischen Möglichkeiten bieten sich durch neue Medien für eine empirische und hermeneutische Kulturwissenschaft? Ziel ist es, gemeinsam folgende grundlegende Werkzeuge wissenschaftlichen Arbeitens einzuüben: Themenbezogene Literaturrecherche, Aneignung und Organisation von Wissensbestand, mündliche und schriftliche Vermittlung von Wissen durch Referat und Hausarbeit.

Literature

Wolfgang Hagen: Medienvergessenheit. Über Gedächtnis und Erinnerung in der Computernetz-Gesellschaft. Universität Bayreuth, Kolloquium: Creative Coding. Zum Stand der Kulturtechnik Programmieren 23.-24.7.2010, Bayreuth 2010.

Walter J. Ong: Orality and Literacy: The technologizing of the word, London/New York 1982.